Die Holzpuppenform im Wing Chun
von Sven Goldbach

Die Holzpuppenform (Mok Chong) führt die drei vorangehenden Formen (Siu Lim Tao, Cham Kiu und Biu Tze) zusammen.
Man übt die Umsetzung der bisher erlernten Bewegungsabläufe an einem perfektem Partner – der Holzpuppe. Dadurch dass die Puppe selbst keine Fehler macht, hilft sie dem Übenden dabei zu überprüfen, ob er seine Bewegungen auch wirklich korrekt ausgeführt hat.
Des weiteren trainiert man das Ausrichten auf die Zentrallinie des Gegners. Die Arme der Holzpuppe z.B. stehen deshalb so auffallend eng zusammen, weil sie das Besteben des Gegners repräsentieren, sein Zentrum schützen zu wollen und somit gleichzeitig dem Übenden dabei helfen, sich darauf zu konzentrieren, immer vom eigenen Zentrum her auf das Zentrum des Gegners zu arbeiten.
Dadurch dass die Holzpuppe bei Krafteinwirkung nachgibt, hat der Übende das Gefühl, dass seine Kraft aufgenommen wird und kann im Gegenzug auch das Nachgeben der eigenen Arme trainieren.
Außerdem dient die Holzpuppe dazu an der Schrittarbeit zu arbeiten. Wichtig dabei ist es zum einen die richtige Distanz zum Gegner einzuhalten und zum anderen einen tiefen Stand beizubehalten. Stabilität und Gleichgewicht sollen durch das Üben an der Holzpuppe noch weiter verbessert werden.
Daneben wird auch die korrekte Umsetzung der 8 Wing Chun Kicks, sofern sie dem Übenden bekannt sind, trainiert.
Aus traditioneller chinesischer Sicht endet das Wing Chun System mit der Zusammenführung der waffenlosen Kunst des Wing Chuns in der Holzpuppenform. Die Waffenformen (Langstock und Doppelmesser) sind ursprünglich Bestandteil anderer Stile und wurden nachträglich in das System aufgenommen. Der Beginn der Ausbildung an der Holzpuppe gilt als großer Vertrauensbeweis des Sifus gegenüber seinem Schüler. Erst wer die Holzpuppenform abgeschlossen hat, darf in China anfangen zu unterrichten. Für die westlichen Länder bestehen allerdings diesbezüglich Spielräume und es besteht die Möglichkeit schon vor dem Erlernen der Holzpuppenform selbst zu unterrichten.
Bei der Holzpuppenform geht es wie auch schon bei Siu Lim Tao, Cham Kiu und Biu Tze darum, eine begrenzte Anzahl an Bewegungen durch kontinuierliches, diszipliniertes Üben und permanente Wiederholung zur Perfektion zu bringen. Und gerade das ist es ja, was das Wing Chun so interessant - und für manche - vielleicht auch so langweilig macht.