Instructor-Prüfung März 2006
(von Anica Möhricke // Köln, den 30.03.06)

Nach eineinhalb Jahren intensiver Arbeit am eigenen Wing Chun, mit dem Vertrauen meines Si-Fu's und zahlreich gedrückt gehaltener Daumen im Gepäck, machte ich mich neben elf anderen Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich und Kroatien auf den Weg nach Ottweiler ins Ausbildungszentrum.

Wir alle verfolgten das gleiche Ziel: An nur einem Tag erfolgreich unter Beweis zu stellen, dass wir in der Lage sind, das Lok Yiu Wing Chun authentisch an andere Interessierte weitergeben zu können. Wir wollten vor den kritischen Augen unseres Si-Gung's und seinen beiden Assistenten, Darko und Mario aus Kroatien, unsere Instructor-Prüfung ablegen.

In der Schule angekommen hieß es für mich noch gute eineinhalb Stunden auf den „Startschuss“ warten zu müssen. Während dieser Zeit hatte ich nicht nur das Gefühl, dass jede Minute, die verging, länger wurde, sondern mit jeder Minute wurde auch meine innerliche Anspannung größer.
Ein flüchtiger Blick in die Gesichter der Anderen verriet mir aber, dass ich nicht allein mit dieser Anspannung dastand. Einige waren zwar schon aufgrund bereits absolvierter Prüfungen mit der Atmosphäre vertraut, doch war es für die anderen und auch für mich Neuland.
Während die einen versuchten die Zeit mit fernsehen zu verbringen und sich so ihre Nervosität zu nehmen, versuchten es die anderen mit einfachen Unterhaltungen und gutem Zureden.

Als es dann schließlich losging, wurde uns allen sehr schnell klar gemacht, dass die Prüfung keineswegs einfach werden wird. Der Name Lok Yiu steht für Qualität und es gilt, diese zu wahren und das Niveau hoch zu halten. Unsere Aufgabe bestand darin, den entsprechenden Anforderungen gerecht zu werden.

Mit den Worten unseres Si-Gung's und einer jetzt noch größeren Nervosität machten wir uns schließlich an die Prüfung.

Viereinhalb Stunden lang versuchten wir in kurzen Einheiten sowohl in Single- als auch in Partner-Exercise ein möglichst großes Bewegungsrepertoire, Reaktions- und Kombinationsvermögen aufzuzeigen.
Die anfangs noch recht große Selbstsicherheit in meine eigenen Bewegungen und Übungen verschwand immer mehr, als es darauf ankam von festgelegten Bewegungsabläufen loszulassen und in die freie Anwendung überzugehen. Darüber hinaus ließ mich auch das Üben mit einem der beiden Assistenten an meinen Fähigkeiten zweifeln. Teilweise hatte ich das Gefühl, nichts mehr „auf die Reihe zu kriegen“ – mein Si-Suk brachte mich an meine derzeitigen Grenzen.
Doch beim gemeinsamen Üben mit den anderen merkte ich, dass diese genau die gleichen Schwierigkeiten hatten.

Trotz der körperlichen und auch psychischen Anstrengung hat es sehr viel Spaß gemacht. Dennoch waren alle froh, als die Prüfung gegen 18:30 Uhr ihr Ende fand.

Am Abend unterhielten wir uns noch in gemütlicher Runde beim Chinesen über die Prüfung und darüber wie der Eindruck von sich und den anderen war. Letztendlich konnte aber niemand sagen, ob er die Prüfung bestanden hatte oder nicht.
Dies sollten wir erst am nächsten Tag erfahren.

Am späten Vormittag teilte uns Si-Gung mit, wer von uns den Anforderungen gerecht geworden ist - bedauerlicherweise waren dies nicht alle.
Als die Teilnehmer, die es dieses Mal nicht schafften, verkündet wurden, war ich erleichtert, meinen Namen nicht gehört zu haben. Gleichzeitig hat es mir auch leid getan, dass es nicht alle geschafft haben – wir alle hatten viel für dieses Ziel getan und letztendlich gehofft, Ottweiler mit einem Zertifikat wieder verlassen zu können.

Aber eins haben wir sicherlich alle aus der Prüfung mitgenommen:

Die Erkenntnis, dass wir auch in Zukunft hart an uns und unserem Lok Yiu Wing Chun arbeiten müssen.